Auf den Spuren von Odysseus: Ort des vom französischen Botschafter auf Malta, Daniel Rondeau, initiierten einzigartigen Kultur-Events vom 7. bis 23. Oktober ist das Mittelmeerbecken. Von Malta bis Beirut, über Tunis und Limassol ... Eine symbolische Reise, die Intellektuelle, Künstler, Dichter sowie französische und ausländische Parlamentarier antreten, um gemeinsamen Ideen und Persönlichkeiten dies- und jenseits des Mittelmeers nachzuspüren. Am Vorabend der Eröffnung der Internationalen Pariser Buchmesse wird das Schiff der französischen Marine im Beiruter Hafen anlegen.
Im Rahmen von „Ulysse 2009“ finden Konferenzen über Schriftsteller und Philosophen statt, die durch ihr Talent und ihre intellektuelle Ausstrahlung die Regionen an beiden Ufern des Mittelmeeres geprägt haben: über Camus und Flaubert führt die Reise von Chateaubriand zu Saint-Exupéry, von Mafhouz zu Stendhal und von Gibran zu Victor Hugo ... Bei jedem Halt lassen 25 hoch qualifizierte Referenten aus acht Mittelmeerländern diese Autoren zu neuem Leben erwecken. Ferner nehmen maltesische Parlamentarier sowie Abgeordnete der Parlamentarischen Versammlung Euro-Mittelmeer (EMPA) an der Kulturreise teil.
„Es handelt sich um eine symbolische Reise, einen zugleich politischen und literarischen Versuch, in dessen Zentrum beide Ufer des Binnenmeeres der uns vereinenden Ideen, Worte und Persönlichkeiten stehen“, erklärt Daniel Rondeau. „An dem Tag, an dem ich vor gut einem Jahr zu meiner großen Überraschung zum französischen Botschafter von Malta ernannt wurde, kam mir die Idee dieser Mittelmeerreise von La Valetta bis Beirut, über Tunis, Tripolis und Zypern. Der französische Außenminister Bernard Kouchner, wie im Übrigen der Generalstab der französischen Marine, sicherten mir sogleich ihre Unterstützung zu. Darüber beteiligten sich sofort alle diplomatischen Vertretungen aktiv an der Organisation dieses Vorhabens.“
Ein Höhepunkt dieser Fahrt über das Mittelmeer ist natürlich das Ablegen von Malta, der Perle des Mittelmeers. Bereits hier werden eine ganze Reihe von Künstlern und Schriftstellern aktiv: der Schriftsteller Salim Bachi, die Regisseurin Rebecca Cremona, der Schriftsteller und Journalist Jean Daniel, der Dichter Moncef Ghachem, der Historiker François Hartog, Professor Peter Serracino Inglott, der Dichter Salah Stétié, der Schriftsteller Takis Theodoropoulos … Die folgenden drei Tage sind Konferenzen und Podiumsdiskussionen in der Universität, in einem Gymnasium und in der von Hela Beji geleiteten Internationalen Mittelschule in Tunis mit denselben Autoren sowie Tahar Ghalia und Azzedine Guellouz gewidmet. In Tripolis findet ein Treffen mit libyschen Schriftstellern und eine Diskussionsrunde zu Albert Camus statt. Auf Zypern werden israelische und palästinensische Musiker aus Ramallah, Gaza, Bethlehem, Jerusalem und Tel-Aviv im Rahmen eines Konzerts gemeinsam, im Einklang singen.
Die Reise findet an Bord des französischen Marineschiffs „La Meuse“ statt. Ausgangshafen ist La Valetta, die befestigte Hauptstadt Maltas. Zwei Tage lang finden im maltesischen Parlament – im Großmeisterpalast – Konferenzen und Diskussionsrunden statt. „Malta ist mit der französischen Marine historisch verbunden. In gewisser Weise ist hier die Geburtsstätte der Marineakademie. Viele große Seefahrer, wie Tourville oder Suffren, erlangten hier Berühmtheit. Für mich ist es somit ganz natürlich, die Tradition dieser äußerst tiefen Verbindung fortzusetzen“, erklärt Daniel Rondeau.
Das mit einer Bibliothek ausgestattete französische Marineschiff nimmt Kurs auf den Libanon und wird am Tag der Eröffnung der Internationalen Pariser Buchausstellung, des Salon du Livre in den Hafen von Beirut einlaufen. Der Zwischenstopp in Beirut, das von der Unesco zur „Welthauptstadt des Buches 2009“ ernannt worden ist, fällt mit der Eröffnung des Salon du Livre zusammen. Auch hier besteht das Programm aus Konferenzen und Diskussionen, an denen weitere Schriftsteller teilnehmen: Adonis, Antoine Assaf, Charles Dantzig, Venus Khouri Ghata, Alexandre Najjar, Patrick Poivre d’Arvor, Robert Solé. Ferner wird Jean-Marie-Gustave Le Clézio, einer der größten zeitgenössischen frankophonen Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger 2008 erwartet. Es ist ein Treffen mit Außenminister Bernard Kouchner geplant. „Die Libanesen haben eine besondere Beziehung zu unserer Sprache und Kultur; sie lieben Frankreich oft mehr als die Franzosen selbst. Gleichzeitig war der Libanon immer schon mehr als ein Land, eine Idee. Es braucht uns genau so, wie wir es brauchen“, bemerkt Daniel Rondeau.
Der Schriftsteller, Journalist und Herausgeber, Botschafter Daniel Rondeau, hat Romane, Essais, autobiografische Erzählungen und zahlreiche Portraits mediterraner Städte (Karthago, Istanbul, Alexandria, Tanger) veröffentlicht, die in vielen Ländern übersetzt wurden. „Zu Beginn des dritten Jahrtausends ist es wichtig, den Dialog zu fördern sowie Vorurteile, Hass und Ignoranz zu überwinden. Das Mittelmeer gibt uns immer wieder gute Gründe, um aktiv zu werden, zu hoffen und lädt uns immer wieder ein, an seiner Lebenskunst teilzuhaben. Es hat uns gelehrt, zu nehmen und zu geben, zu überliefen, uns ohne Manichäismus zu hinterfragen, uns in unterschiedlichen geistigen Welten, innerhalb einer seit Homer und Virgil als Mosaik fortbestehenden Welt, weiterzuentwickeln. Wir wollen keinesfalls Zivilisationen bewertend gegenüberstellen, sondern uns, in dem Moment, in dem wir unseren Blick in die Zukunft richten, vergewissern, dass es eine Weisheit und Freiheit, eine Gedankenwelt gibt, die für die Zukunft der Welt unerlässlich sind“, resümiert Daniel Rondeau.